Die erste Frau an der Burg: Kunst kann Chefin

Logo_fisch+fleisch_RGB Sensation! Das Burgtheater hat nun also die erste Direktorin seiner auch schon wieder 126 Jahre alten Geschichte. Und tatsächlich waren sich Theaterschaffende und -kritiker selten so einig wie bei der Bestätigung von Karin Bergmann vergangene Woche. Aus der interimistischen Leiterin des Hauses am Ring wird nun die offizielle Direktorin bis 2019. Sie wird mehr als die Chefin für Notfall und Übergang. Abgesehen von Vorgänger Matthias Hartmann und dessen Vertrauten und Rechtsberatern trauen ihr so gut wie alle Kommentatoren zu, die Burg mit ruhiger Hand, wenn auch mit wenig(er) Pomp und Budget aus der Krise zu führen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Spätestens mit der Besetzung von Karin Bergmann ist etwas andereres nicht mehr zu übersehen: Die Führungsetagen der österreichischen Kulturwelt sind erstaunlich weiblich. Und das ganz ohne Quote und in einer Branche, die im Grunde noch immer als Männerdomäne gilt. Nicht nur die Burg, auch das Volkstheater wird ab kommendem Jahr mit Anna Badora von einer Frau geführt. Und vor allem im Museumsbereich sind Frauen stark vertreten: So werden mit Sabine Haag (Kunsthistorisches Museum), Agnes Husslein (Belvedere), Karola Kraus (MUMOK) und Gabriele Zuna-Kratky (Technisches Museum) vier der größten und wichtigsten Museen des Landes von Frauen geleitet. Auch kleinere Häuser wie das Jüdische Museum (Danielle Spera), das Salzburger Museum der Moderne (Sabine Breitwieser) und das Bank Austria Kunstforum (Ingried Brugger) haben Chefinnen, die Salzburger Festspiele mit Helga Rabl-Stadler eine nimmermüde Präsidentin.

Wobei wir nicht zu früh jubeln sollten. Denn auffallend bleibt, dass die Frauendichte nur in einigen Kulturbereichen höher und nur im Museumsbereich richtig hoch ist. Die beiden Direktorinnen an Burg- und Volkstheater sind fast eine Premiere, hätte nicht Emmy Werner fast zwanzig Jahre (von 1988 bis 2005) vorgezeigt, dass auch Frauen ein Theater führen können. Weit und breit keine Frauen in Sicht sind zum Beispiel an den Klassikbühnen. An der Staatsoper gibt es nicht einmal eine künstlerische Leiterin. Und die Philharmoniker lassen Frauen gar erst seit 1997 mitmusizieren, bis heute hat das weltberühmte Orchester nur sieben Musikerinnen. Und fällt Ihnen auf Anhieb eine berühmte Dirigentin ein? (Falls ja, bitte melden. Die könnten wir zum Dirigat des Neujahrskonzerts vorschlagen.)

Aber gut, immerhin bei den Museen und Theaterbühnen geht etwas weiter. Bleibt also nur die Frage, wieso es im Kunstbereich leichter ist, Frauen bis ganz oben vordringen zu lassen als etwa im Bankwesen oder im Unternehmensnetz der ÖIAG? Die Politik hat schließlich da (zumindest bei Bundestheatern und Bundesmuseen) wie dort (ÖIAG) mehr als ein Wörtchen mitzureden.

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