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Amazon Prime: Serien mit Hindernissen

Das Aboservice Amazon Prime funktioniert in Österreich nur teilweise. Doch der US-Riese bastelt längst an einer eigenen Streaming-Plattform.

Seit Kurzem ist auch in Österreich das Aboversandservice des US-Onlinehändlers Amazon erhältlich. Doch auch wenn dabei das Video-On-Demand-Service “Prime Instant Video” erhältlich wird, durch das unter anderem die relativ neue Amazon-eigene Serie „Transparent“ hierzulande kostenlos abrufbar wird, bietet das Service derzeit noch mehr Ärgernisse als zufriedenstellende Inhalte. Denn nur ein kleiner Teil des vollständigen Angebots ist in Österreich auch wirklich erhältlich. Eigentlich wirbt Amazon damit, dass mit dem Prime-Abo mehr als 12.000 Filme und Serien gratis abrufbar seien, zudem seien Gratis-Expresslieferung innerhalb von zwei Tagen und ein kostenloser Zugang zu einer E-Book-Bibliothek inkludiert. Doch in Österreich sind viele der angebotenen Filme nicht gratis abrufbar, sondern erst recht wieder extra zu bezahlen, und der Expressversand ist gar nicht möglich. Trotzdem verlangt Amazon den vollen Abopreis von 49Euro von seinen Kunden.

Probeabo rechtzeitig kündigen. Für Konsumentenschützer ist das problematisch, wie die Techseite Futurezone in Erfahrung gebracht hat. Es sei nicht in Ordnung, etwas zu bewerben und dann zwei Drittel des Angebots zu streichen, sagte Reinhold Schranz vom Europäischen Verbraucherzentrum der Futurezone. So ist es ziemlich wahrscheinlich, dass viele heimische Kunden den Dienst kündigen werden, bevor das kostenlose Probemonat verstrichen ist. Doch Achtung: Das Probeabo verlängert sich automatisch. Es gilt also, genau darauf zu achten, wann es endet.

Der Neueinsteiger im Video-On-Demand-Markt dürfte also alles andere als eine große Konkurrenz für Mitbewerber wie das deutschsprachige Maxdome oder das US-amerikanische Netflix sein, das seit Mitte September in Österreich erhältlich ist. Auch wenn Amazon Prime Instant Video einige Serien wie die erste Staffel der Kultproduktion „Twin Peaks“ (die 2016 mit neuen Folgen zurückkehren soll) und die ersten Staffeln von „Mad Men“ anbietet, sind viele Angebote wie „Game of Thrones“ kostenpflichtig. Ein weiteres Manko: Viele Serien des Amazon-Instant-Videoangebots werden nur in der deutschen Synchronfassung angeboten. Für wahre Serienfans ist das keine zufriedenstellende Option.

Während Amazon sein Prime-Angebot mit gröberen Problemen in den Markt gebracht hat, feilt der US-Konzern von Jeff Bezos bereits an der nächsten Digitaloffensive. Wie die „New York Post“ kürzlich berichtet hat, plant das Unternehmen, Anfang 2015 einen eigenen Streamingdienst zu eröffnen. Noch steht weder fest, ob der Dienst getrennt von dem kostenpflichtigen Amazon Prime angeboten oder mit der Videosparte dieses Diensts fusioniert werden soll. Amazon wollte den Bericht nicht kommentieren.

Marktbeobachter haben zudem das Gefühl, dass sich Jeff Bezos, der 2013 die „Washington Post“ übernommen hat, mit seinen unterschiedlichen Digitalangeboten gerade übernimmt und an zu vielen Fronten – etwa beim Arbeitsrecht mit deutschen Mitarbeitern – kämpft. Mit dem aktuellen Prime-Angebot macht er sich in Österreich sicher nicht besonders viele Freunde.

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