Die Rückkehr der Arabella Kiesbauer

IMG_6864Eurovison Song Contest 15. Lang war sie die bekannteste Moderatorin des ORF, zuletzt ist es ruhiger um sie geworden. Nun kehrt sie im Frauentrio auf die große Bühne zurück.

Eine kleine Überraschung hat es also doch gegeben. Ei gentlich waren viele davon ausgegangen, das Moderatorenteam für den Eurovision Song Contest 2015 zu kennen. So oft waren zuletzt Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun und Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst genannt worden. Doch bei der Präsentation im ORF-Zentrum am Küniglberg am Freitag tauchte plötzlich ein vierter Name auf: Arabella Kiesbauer.

Sie stand im Vorfeld auf keiner Spekulationsliste. Vermutlich, weil die gebürtige Wienerin mit deutsch-ghanaischen Wurzeln nicht mehr für den ORF, sondern für die private Konkurrenz arbeitet. Doch für den aktuellen Arbeitgeber ATV, bei dem sie die Kuppelshow “Bauer sucht Frau” moderiert, ist ihr ORF-Engagement kein Problem. Im Gegenteil, die Personalie lässt sich als logische Fortsetzung der jüngsten Annäherung zwischen dem großen Öffentlich-Rechtlichen und dem kleinen Privaten interpretieren. Gemeinsam bewarben sich die Sender um die Rechte an der Euro League 2015 (die dann an Puls4 und das Sportportal sportnet.at gingen), vor wenigen Wochen trat ATV aus dem VÖP aus, jener Vereinigung Österreichs Privatsender, die ein Gegengewicht zum staatlich subventionierten ORF bilden will. Und am Freitag lobte ATV-Chef Martin Gastinger die Bestellung Kiesbauers als “beste Wahl” für den Song Contest. Aber auch für Kiesbauer persönlich ist das Engagement eine Chance, sich nach der Geburt ihrer Kinder (eine Tochter, ein Sohn) und Ausflügen ins Privatfernsehen wieder mehr an ihren ersten Arbeitgeber zu binden.

Die heute 45-Jährige war lang eine der prominentesten Moderatorinnen des Landes. Ihre Karriere begann sie Ende der Achtzigerjahre mit der Jugendsendung “X-Large”, fünf Jahre später hatte sie auf Pro7 ihren eigenen Nachmittags-Talk. Der brachte ihr zwar schnell große Bekanntheit ein, rückte sie aber auch in die Trash-Ecke.

Signal für Frauenpower

Beim ORF fiel die Wahl aus mehreren Gründen auf sie. Ihre internationale Herkunft steht einer Show, die weltweit 200 Millionen Menschen sehen, gut an. Dazu kommt die Tatsache, dass die ehemalige Lycée-Schülerin neben Englisch auch fließend Französisch und Spanisch spricht (wie Kollegin Tumler auch). Zudem war sie als Langzeitmoderatorin der ORF-Sing-Talentshow “Starmania” bei den ersten Bühnenschritten von Tom Neuwirth alias Conchita Wurst dabei. Seit der von Franz Fuchs an sie adressierten Briefbombe, bei der ihre Assistentin verletzt wurde, gilt Kiesbauer außerdem als eine, die sich gegen Rassismus und für Zivilcourage einsetzt.

Und nun also die ganze große (öffentlich-rechtliche) Showbühne. An der Seite von Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler. Die drei werden die Hauptmoderation der drei Shows (zwei Semifinale und das Finale am 23. Mai 2015) übernehmen. Im sogenannten Green Room hinter der Bühne, also dort, wo die Künstler aus allen Kandidatenländern Platz nehmen, wird Vorjahressiegerin Conchita Wurst moderieren. In den sozialen Netzwerken formulierten manche liebevoll und in Anlehnung an die US-Sitcom: “Three and a Half Women für den Song Contest”.

ORF-Fernseh-Direktorin Kathrin Zechner will mit der Women-only-Besetzung ein Signal setzen. Frauen seien heute wie gestern keine Bedrohung, sagte sie bei der Präsentation am Freitag. Und Weichselbraun ergänzte: Früher habe man immer geglaubt, es brauche einen Mann, der eine Show trägt. Bisher haben schon immer wieder Frauen allein den Song Contest moderiert, aber noch nie waren es drei.

In der Öffentlichkeit wurde die Tripelbesetzung am Freitag nicht nur positiv aufgenommen. In den sozialen Netzwerken taten sie manche als langweilig und vorhersehbar ab. Auch wenn es Applaus für die Entscheidung gab, nur Frauen moderieren zu lassen, fragten sich einige, warum der Song-Contest-Kommentator Andi Knoll vergessen wurde. Im ORF versicherte man, es werde noch viele andere Rollen bei diesem Event geben, die es noch zu besetzen gilt. Die Namen werde man im neuen Jahr bekannt geben.

“Die Presse”, Print am 20.12.2014. Credit: Wallner

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