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“Grace & Frankie“: Die Männer sind weg, gemeinsam

In der Scheidungscomedy „Grace & Frankie“ spielen Jane Fonda und Lily Tomlin zwei Siebzigjährige, die das späte Coming-out ihrer Männer verkraften müssen. Das ist nicht nur lustig.

Der Tisch im Nobelrestaurant ist bestellt, die Männer, seit Jahrzehnten Partner ihrer gemeinsamen Kanzlei, wollen ihren Ehefrauen Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin) etwas sagen. Noch rätseln diese über den Grund des Treffens („Ich habe das Gefühl, sie werden ihren Ruhestand bekannt geben“) und verhandeln mit viel größerem Eifer ihre konträre Einstellung zu Weißbrot. Fünf Minuten später bremst Graces Ehemann, Robert (Martin Sheen), seinen Geschäftsfreund Sol Bergstein: „Ich mache es“, holt einmal tief Luft und sagt zuerst zu Grace: „Ich verlasse dich“, danach zu Frankie: „Und er verlässt dich.“ Auf die scharf zurückgezischte Frage von Grace: „Wer ist sie?“, erwidert er: „Es ist keine Sie, es ist ein Er. Es ist Sol, den ich liebe.“ Und als Frankie fragt: „Wie lang geht das schon?“, zögert ihr Mann und beide sagen: „Zwanzig Jahre.“

Die Eröffnungsszene der neuen Serie „Grace und Frankie“ (seit 8. Mai auf Netflix), die im Englischen zum Genre der Divorce-Comedy zählt, könnte Seriengeschichte schreiben. Als schmerzhaft-komische Coming-out-Szene eines alten Liebespaars, das sich nach langer, heimlicher Beziehung dazu entschließt, seine Zuneigung öffentlich zu machen. „Wir wollen heiraten, weil wir das in Kalifornien jetzt können“, sagen die Männer – und Frankie schießt zurück: „Ich weiß, ich habe Spendengalas dafür organisiert.“

Im Folgenden müssen die Kinder, Nachbarn und Freunde informiert, die gemeinsamen Häuser und Möbel verteilt werden. Aber doch ist in dieser Serie alles anders als in normalen Trennungskomödien, nicht nur, weil es hier um das Leben von vier Mittsiebzigern geht, das sich so spät noch einmal völlig wandelt, sondern weil es eben auch um den Umgang mit der anderen sexuellen Orientierung der Männer geht.

Erstes Abendessen beim Väterpaar

Als die vier erwachsenen Kinder der Paare – die zwei Töchter von Grace und Robert, die zwei Söhne von Frankie und Sol – das erste Mal gemeinsam bei den Vätern abendessen, versuchen zunächst alle betont liberal-normal mit der Situation umzugehen. Erst in der Küche traut sich Tochter Brianna (June Diana Raphael) ihren künftigen Stiefbruder Nwabudike (Baron Vaughn), der selbst gebackenen Kuchen aufwartet, anzuschreien: „Würde es um zwei andere Frauen gehen, würden wir dann Kuchen essen?“

Hier wird nicht nur der sehr unterschiedliche Umgang der zwei sehr unterschiedlichen Frauen mit der Situation geschildert. Einst waren die diszipliniert-verbissene Grace und die esoterisch-künstlerische Frankie so etwas wie beste Feindinnen, nun wurden sie vom Schicksal in das von den Männern (auch als ihr heimliches Liebesnest) vor Jahren gemeinsam erworbene Strandhaus gespült. Es geht auch um den Umgang mit dem Altern und damit, dass man für andere ab einem gewissen Alter als irrelevant gilt. Frankie tippt SMS auf ihrem Smartphone in Riesen-Schriftgröße; wenn Grace aus dem Sitzsack ihrer Tochter aufstehen will, braucht sie Hilfe.

Als ältere Frau würde man oft zur Pointe in Witzen, hat Jane Fonda gerade in einem Interview gesagt, in der Serie von „Friends“-Erfinderin Martha Kaufmann seien die Frauen aber selbst Gestalter der scharfsinnigen Pointen. Leider gleitet der Humor häufig in üblichen, aalglatten Sitcom-Slapstick, doch dank der Hauptdarstellerinnen Jane Fonda und Lily Tomlin, 77 und 75, sieht man dabei dennoch gern zu. Als sie im Supermarkt Zigaretten kaufen wollen, werden sie trotz lauten Rufens minutenlang nicht von dem jungen Mann an der Kasse gesehen. Grace ruft ihm entgegen: „Sind Sie im Koma?“ und explodiert dann furios: „Welches Tier behandelt andere Lebewesen so? Glauben Sie, es ist in Ordnung, uns zu ignorieren, nur weil, weil sie graue Haare hat?“ Danach sitzen die Frauen im Auto, lachen – und rauchen. Frankie hat die Zigaretten gestohlen. Die zwei werden es auch weiterhin lustig haben. Egal ob mit oder ohne Männer.

[Bild-Credit: Melissa Moseley/Netflix]

Categories: Fernsehen, Medien