Eizellkönigin oder nicht?

Selbstversuch: Der Ferticheck ist einfach, tut nicht weh, aber eine Garantie für spätere Schwangerschaft ist er nicht.

Man soll ja nie sagen, man wisse schon alles über den eigenen Körper. Das Erste, was ich also lerne, ist, dass ich – wie jede andere Frau – seit meiner Geburt eine bestimmte Anzahl an Eizellen in mir trage. 100.000 bis 300.000 Stück. Und die werden von Monat zu Monat, von Eisprung zu Eisprung weniger. Dank des zwar nicht neuen, aber in Österreich noch eher unbekannten Fertichecks kann jede Frau abklären, wie ihr Eizellstatus aussieht. Das erinnert mich an Jess aus der Serie „New Girl“. In der Folge „Eggs“ macht sie diesen Test und nennt sich danach dank ihrer Bestwerte stolz „Eierkönigin“.

Auch ich bin in der Zielgruppe für diesen Test: Anfang 30, mit klarem Kinderwunsch, dennoch will ich mir zur Sortierung von Beruf und Privatleben noch ein paar Jahre mit der Familiengründung Zeit lassen. Der Test könnte mir sagen, ob ich diese Zeit überhaupt noch habe oder ob ich besser schon übermorgen versuchen sollte, schwanger zu werden. Freundinnen sind skeptisch: „Und was machst du, wenn nicht alles in Ordnung ist?“, fragen sie.

Darüber mache ich mir vorerst keine Gedanken. Erst als ich im Labor zur Blutabnahme sitze, wird mir mulmig. Zufall oder nicht: An diesem Morgen zähle ich 15 (sichtbar) schwangere Frauen im Wartezimmer. Zehn Tage später, Termin beim Arzt: Östrogen, Prolaktin, Testosteron – meine Hormonwerte liegen völlig in der Norm. Dennoch zeigt sich mein Alter schon, der Wert des Anti-Müller-Hormons (das Rückschluss auf die vorhandenen Eizellen gibt) liegt nur mehr bei fünf. Der Maximalwert (bis unter 30) ist sieben, eine Frau mit 40 erreicht gerade noch zwei. Der Arzt beruhigt mich, meine Werte sind für mein Alter ideal, auch der Eierstockultraschall ist in Ordnung.

Ein schneller Test und dann? Ich weiß jetzt, dass ich noch nicht im frühzeitigen Wechsel bin, mein „Eierdepot“ noch gut gefüllt ist. Doch viele andere mögliche Fehlerquellen können nicht eliminiert werden. Eine kleine Beruhigung ist der Test, auch eine Bewusstseinsbildung für das Thema Fertilität, doch er kann nie, nie, nie Garantie für eine spätere Schwangerschaft sein.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 20.07.2014)

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